Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Die Schleuse Storkow ist Teil der 33,44 Kilometer langen Bundeswasserstraße „Storkower Gewässer (SkG)“. Diese Kette aus Seen und Kanälen zweigt bei Prieros aus der Dahme ab und schafft über Langer, Wolziger und Storkower See die Verbindung zum Scharmützelsee. Die Gräben dazwischen, das Wendisch Rietzer Fließ (1,96 Kilometer), der Storkower Kanal (9,01 Kilometer) und das Blossiner Fließ (1,35 Kilometer), waren ursprünglich nicht schiffbar. Über Jahrhunderte sorgten sie für den Wasserabfluss über das natürliche Gefälle.

Der Storkower Kanal wurde einst altes Fließ oder Flößergraben genannt. Als unter der Regierung von Friedrich II. (Friedrich der Große) eine Reihe von Nebenwasserstraßen ausgebaut wurde, waren darunter ab 1745 in einer ersten Ausbaustufe auch die Storkowschen Gewässer. Die Kanalbauten hatten für Berlin Bedeutung, da durch sie die Versorgung mit Getreide, Holz, Torf und Ziegelsteinen erleichtert wurde. Um das Gefälle zu überwinden und damit schiffbar zu machen, entstanden in Wendisch Rietz (Hubhöhe 1,27 Meter), Storkow (Hubhöhe 1,94 Meter) und Kummersdorf (Hubhöhe 1,17 Meter) Schleusen.

Zeitgenössischen Berichten zufolge hatte das Gewässer allerdings in trockener Jahreszeit eine geringe Wassertiefe - „bis 0,30 Meter herunter“. In den Jahren 1862 bis 1865 erfolgte ein weiterer Ausbau. Die Sohlbreite wurde auf 7,5 und die Tiefe auf 1,0 Meter erhöht. Zwischen Wolziger und Storkower See und unterhalb von Wendisch Rietz wurden teilweise erhöhte Leinpfade errichtet. An den Kosten soll sich die Saarow-Silberberger Kohlen-Gesellschaft beteiligt haben. In den Jahren 1892 und 1896 erhielt der Kanal zwischen dem Storkower und Wolziger See eine Sohlbreite von 10 Meter in den geraden Strecken, von 12 Meter in den Krümmungen und eine Fahrtiefe von 1,4 Meter bei Normalwasser. 1904 erfolgte dies auf dem Abschnitt zwischen Scharmützelsee und Storkower See.

Der Kanalabschnitt zwischen Storkow und Kummersdorf hatte immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Müllern und Schiffern geführt. 1878 zeigte der Schleusenmeister an, dass „der Storkower Müller den Betrieb eingestellt habe, während der Kummersdorfer Müller weiter mahle; hierdurch sei die Kanalhaltung so abgesenkt, dass er an einigen Stellen nur noch 2' 2" gepeilt habe“. Da die Wasser-Bauverwaltung nicht in der Lage war, den Müller anzuhalten, Wasser für die Schifffahrt abzugeben, wurde von der Königlichen Regierung verfügt, „das erforderliche Betriebswasser dem Kanale durch die Schleusenschützen zuzuführen“. Der Müller wurde ersucht, einen Stillstand vorher anzuzeigen. Obwohl dieser die Ansicht vertrat, dass er das ausschließliche Recht der Verfügung über das Wasser hätte, teilte er am 13. Juni 1878 dem Wasserbaumeister in Köpenick mit, dass er die Mühle drei Wochen lang stehen lassen wolle, „nicht, weil er sich dazu verpflichtet fühlte, sondern aus Höflichkeit".

Storkow Muehlenfliess
Storkow, Mühlenfließ 2007

Storkow ist eine der ältesten Städte Brandenburgs. Im Jahr 2009 bittet sie zur 800-Jahr-Feier. Die ursprünglich zur Niederlausitz gehörige Herrschaft ging 1556 in den Besitz der Hohenzollern über und wurde damit Teil der Mark Brandenburg. Mit der Ansiedlung holländischer Kolonisten entstand ab Mitte des 17. Jahrhunderts auf dem Areal zwischen Altstadt, Markt und Burg ein Entwässerungssystem. Die „Kilometerteilung der Märkischen Wasserstraßen“, zusammengestellt von der Königlichen Regierung in Potsdam, verzeichnet noch 1901 „bei km 14,18 Einmündung eines Grenzgrabens“ und „bei km 14,91 Einmündung des Storkower Stadtgrabens und des Mühlenarmes“ in den Storkower Kanal.

Storkow Wehrabfluss
Storkow, Wehrabfluss an der Stadtbrücke

Storkow Neues Wehr
Storkow, Neues Wehr 2007

Während der Stadtgraben künstlich angelegt wurde, waren Mühlenfließ und Flößergraben natürliche Gewässer. Mit dem ersten Kanalausbau entstand zwischen Altstadt und Kietz im Flößergraben bei km 15,63 eine hölzerne Kammerschleuse für eine Hubhöhe von 1,94 Meter. Da die Fließüberquerung am ehemaligen Furt nun nicht mehr möglich war, wurde für den Handelsweg 60 Meter weiter über den Kanal eine hölzerne Stadtbrücke gebaut. Sie war als Klappbrücke ausgelegt, so dass sie für die Durchfahrt der Kähne geöffnet werden konnte.

Storkow 1863
Schleuse Storkow, Erbaut 1863

1825 entstand die erste massive Schleuse mit 22,9 Meter Kammerlänge und 3,53 Meter Kammerbreite. Vor dem Umbau hatte die Anlage zwei Gerinne, zwei Meter breit für die Mahl- und ein Meter für die Ölmühle. Nun wurde ein drei Meter breites Gerinne eingerichtet. Ein Freigerinne (aus zwei Zementrohren von je 0,90 Meter in lichter Weite mit Schützenverschluss) wurde 1902 angelegt. Durch Regierungs-Verfügung vom 4. Januar 1858 wurde „der Winterstau (1. Oktober bis 1. Mai) auf 27" (0,71 Meter) über dem Mühlenfachbaume, das ist 4,81 Meter am Pegel, der Sommerstau auf 18" (0,47 Meter) über dem Fachbaume, das ist 4,58 Meter am Pegel, festgesetzt“.

Storkow Stadtbruecke 1939
Storkow, Stadtbrücke 1939

Storkow Stadtbruecke
Storkow, Stadtbrücke 1939

1862/63 wurde die Kammerschleuse auf eine nutzbare Länge für das erste standardisierte Binnenschiffmaß (Finowmaß) umgebaut. Dieses Wasserbauwerk wurde 138 Jahre alt und existierte bis zum Jahr 2001. Gleichzeitig erfolgte ein umfassender Ausbau des Wasserweges, um die Passage größerer Schiffe für den Gütertransport zu ermöglichen. 1872 bekam die Schleusenmeisterei Storkow in der Straße Am Kanal ein Gebäude. 1902 entstand unmittelbar neben der Schleuse auf der Altstadtseite ein Wehr. 1932 wurde der Kanal zwischen Stadtbrücke (bei km 15,69) und Kietzbrücke (bei km 15,81) für Ausweich- und Anlegestellen verbreitert. In zeitlich größeren Abständen wurden Ausbaggerungen durchgeführt, so dass die Wasserstraße eine Tiefe von bis zu 2,50 Meter und eine Breite von bis zu 15 Meter erhielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Storkower Gewässer für die Transportschifffahrt zunehmend uninteressant.

Storkow Abbruch 2003
Storkow, Abbruch der alten Schleusenkammer, 2003

Storkow Abbruch 2003a
Storkow, Abbrucharbeiten 2003

Im Jahre 1998 musste im Ergebnis der regelmäßigen Bauwerksinspektionen festgestellt werden, dass der altersbedingte Verschleiß keinen sicheren Betrieb der Schleuse mehr gewährleistet. Berechnungen der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) hatten ergeben, dass die Anlage nicht standsicher war. Aus wirtschaftlichen und technischen Gründen wurde eine Sanierung der vorhandenen Schleusenkammer ausgeschlossen. Nach Abschluss und im Ergebnis des obligatorischen Planfeststellungsverfahrens begann das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin im November 2001 mit einem Ersatzneubau von Schleuse und Wehr rund 150 Meter vom bisherigen Standort entfernt. Das machte eine komplette Dichtung von Kanalsohle und Böschung im Bereich zwischen alter und neuer Schleuse erforderlich. Die Kammer ist in Spundwandbauweise errichtet. Die Häupter sind aus Stahlbeton gefertigt und mit Stemmtoren ausgestattet. Die Befüllung erfolgt über Schütze in den Toren.

Storkow Fernueberwachung
Fernüberwachungszentrale Storkow

Storkow Videoueberwachung
Schleuse Storkow, Videoüberwachung

Storkow Bedienungsanleitung
Bedienungsanleitung und NOT-HALT

Storkow Fernueberwachung Bruecke
Fernüberwachung Storkow,Brücke

Storkow Fernueberwachung Schleuse
Fernüberwachung Storkow, Schleuse

Anmerkung:

Klappbrücke und Schleuse von Storkow sind Selbstbedienungseinrichtungen – ohne Brücken- bzw. Schleusenwärter. Alle Bedienhandlungen werden von den Bootsführern selbst ausgeführt. Die jeweiligen aktuellen Zustände der Steuerung werden über Textanzeigen signalisiert.

Beide Anlagen sind an die Leitzentrale im Schleusenbetriebsgebäude gekoppelt. Dort wurde eine Fernüberwachungszentrale errichtet. Laserscanner unter der Brücke und taktile Schutzeinrichtungen am Brückenkörper sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Storkow Wartestelle Unterwasser
Schleuse Storkow, Unterwasser Wartestelle Schleuse

Sorkow Wartestelle Oberwasser
Schleuse Storkow,Oberwasser Wartestelle Schleuse und Stadthafen

Storkow Wartestelle Bruecke
Storkow, Wartestelle Brücke vom Storkower See

Storkow Wartestelle Bruecke1
Storkow, Wartestelle Brücke zum Storkower See

Auf den etwa 150 Metern zwischen Brücke und Schleuse kommt für die Ausflugs- und Sportschifffahrt seither einiges zusammen. Da sind zu beiden Seiten des Gewässers die Wartestellen für Brücke und Schleuse, und da ist der von der Stadt Storkow eingerichtete Stadthafen, an dem Sportboote festmachen können. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist der Ablauf im Schleusenbereich Storkow etwas schwieriger als allgemein üblich. Zu beachten ist daher, dass der Ein- und Ausfahrtbereich zwischen Klappbrücke und Schleuse rechtzeitig frei geräumt werden muss, um sich und andere nicht zu gefährden.

Zur Information:

Die hölzerne Kietzbrücke wurde Anfang des 20. Jahrhunderts bei einem Brand zerstört. 1913 ist sie als Eisenkonstruktion wieder aufgebaut worden. Weil sich diese Bauweise bewährt hatte, wurde 1919 auch die Stadtbrücke für den Fahrzeugverkehr 1919 dementsprechend erneuert. Dazu kam eine Bogenbrücke, die bei Schleusungen und hochgezogenem Brückenfeld den Fußweg zwischen Altstadt und Heinrich-Heine-Straße ermöglichte.

Die Stadtbrücke wurde im Frühjahr 1945 gesprengt, um den Vormarsch der Roten Armee aufzuhalten. Sie wurde nach dem Krieg repariert. Beide Brücken wurden bis zum Einbau eines Elektromotors im Jahre 1971 von einem Brückenwärter per Hand bedient. Die im Krieg unbeschädigte Kietzbrücke wurde mit dem Bau der Umgehungsstraße abgerissen und durch eine höher gelegte Spannbetonbrücke ersetzt. Abgebaut wurde 1972 auch die klappbare Stadtbrücke. Es entstand eine feste Betonbrücke, die nur noch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden konnte. Storkow verlor seine innerstädtische Nord-Süd-Verbindung.

1997 erteilte das Amt Storkow den Auftrag zum Neubau einer Klappbrücke für den Fahrzeugverkehr und einer Fußgängerbrücke in Anlehnung an die historischen Vorbilder. Beide Brücken wurden im April 2001 fertig gestellt.

Die Storkower Wassermühle bestand bis zum großen Brand von 1882 am Mühlenfließ. 1886 wurde eine neue Mühle gebaut, die zusätzlich mit einer Dampfmaschine ausgerüstet wurde. Ab 1895 versorgte sie die Storkower Wohnungen mit elektrischer Energie. 1912 übernahm dann das Städtische Elektrizitätswerk die Versorgung. Die Mühle brannte am 24. April 1945 aus. Nach Ende des Krieges wurde in der Mühle erneut Strom erzeugt. 1966 wurden Mauern und Schornstein abgerissen und das Fließ mit den Trümmern verfüllt. 1994/95 erfolgte die Freilegung des Mühlenfließes. Wichtige Teile des Mühlenaggregates wurden konserviert.