Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Schleuse Neue Mühle

Erzählt wird, dass für den Bau der ersten Schleuse ein Malheur und Eierspeck ausschlaggebend gewesen seien. Kurfürst Friedrich III., der sich 1701 in Königsberg selbst die Krone aufs Haupt setzte und fortan König Friedrich I. in Preußen war, bewohnte ab 1677 Schloss Köpenick. Eines Tages hatte er in der Gegend zur Jagd geblasen. Er erspähte einen Hirsch, gab dem Pferd die Sporen und ritt los. Jagdgesellschaft und Hirsch waren weg und Friedrich orientierungslos im Wald. Nach einigem Herumirren kam er an eine Wassermühle. Er bat die Müllersleut’ um Speis und Trank und fragte nach ihren Wünschen. Der Müller klagte über den unregelmäßigen Wasserstand, der den Mühlenbetrieb beeinträchtige. Stau und Schleuse wären von Nutzen. 1696 waren sie errichtet.

Aus den Urkunden geht allerdings hervor, dass in Neue Mühle ein Stau bereits 1478 existierte. 1739 wird eine hölzerne Schiffsschleuse erwähnt. 1812/14 erfolgte ein Neubau. Reste dieser Sandsteinmauern begrenzen noch heute die Bootsschleppe. 1868/69 wurde wenige Meter weiter östlich am heutigen Standort der Schleuse eine neue Kammer errichtet.

Von einigem Interesse könnte sein, dass Preußen 1845 mit dem „Finowmaß“ das erste standardisierte Binnenschiffmaß festlegte. Finow-Maß-Kähne hatten eine Länge von 40,20 Meter, eine Breite von 4,60 Meter, einen Tiefgang von 1,40 Meter und eine Tragfähigkeit von 170 Tonnen. Nach diesen Größen wurden Kanäle und Schleusen geplant, so auch die Schleusenkammer Neue Mühle. Da sie nun mit Stemmtoren ausgerüstet ist, beträgt die nutzbare Kammerlänge nur 38,93 Meter. Die Kähne wurden einst an Seilen über eine handbetriebene Winde (Spillanlage) in die bzw. aus der Kammer gezogen. Die hölzernen Torflügel sowie die Schütze, über welche die Kammer gefüllt bzw. entleert wird, wurden ebenso per Hand und Stange bewegt.

Erst nach 1959 hielten Elektromotore Einzug. 1963 wurden die hölzernen Torflügel durch Stahltore ersetzt. Seit 1980 ist die Schleusenanlage mit Stemmtoren ausgerüstet. Elektro-Hubzylinder bewirken über Gewinde und je nach Drehrichtung ein Öffnen bzw. Schließen der Torflügel. Für den Stauausgleich wurde in jedem der vier Stemmtorflügel ein Regulierschütz eingebaut. Die Steuerung von Stemmtoren und Hubbrücke veranlassen die Mitarbeiter von den Steuerpulten in den Kabinen am Ober- bzw. Unterhaupt.

Für erforderliche Revisionen existiert ein so genannter Notverschluss, mit dem die Kammer trockengelegt werden kann. 1994 wurde die Schleuse Neue Mühle - eine der ältesten Anlagen im Osten Deutschlands - umfangreich, aber  behutsam saniert.

Die Schleusenhäupter wurden aus Beton und Ziegelstein, die Kammer selbst aus Ziegelstein errichtet. Die Kammersohle besteht aus Eichenholz. Die Kammer fasst ca. 837 Kubikmeter. Der Wasserverbrauch je Schleusung beträgt ca. 357 Kubikmeter. Die Füllung mittels Schützantrieb durch Elektro-Hubzylinder am Oberhaupt dauert ca. 11 Minuten, die Leerung mittels Schützantrieb durch Elektro-Hubzylinder am Unterhaupt ca. 10 Minuten.

Unmittelbar am Übergang von der Schleusenkammer zum Unterwasser befinden sich zwei Brücken, eine Fußgängerbrücke und eine Straßenbrücke. Letztere ist als Klappbrücke angelegt, die bei geschlossenem Zustand eine Durchfahrtshöhe zum unteren Wasserstand von 2,40 Meter besitzt. Sie ist als Hohlkasten mit einer Fahrbahnplatte ausgelegt und hat eine Länge von 6,30 Meter sowie eine Stützweite von 5,20 Meter. Die Fahrbahnbreite beträgt 3,00 Meter. Die Durchfahrtshöhen an der Fußgängerbrücke betragen in der Schleusenkammer bei Oberwasser 3,50 Meter bzw. bei Unterwasser 4,80 Meter (bei mittlerem Wasserstand).

Zur Anlage in Neue Mühle gehört auch ein Stauwerk. Es schließt den Flussbereich der oberen Dahme ab. Das Wehr liegt etwa einhundert Meter von der Schleuse entfernt. Es besteht aus zwei bewegbaren Wehrklappen, die je nach Wasserstand über elektrisch ausgelegte Zahnstangen bewegt werden.

Neben der Wehranlage existiert noch ein so genannter Aalfang. Das war eine stationäre Fanganlage am Wasserdurchlauf mit einem „Aalkasten“. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts diente die Anlage zum Fang von Aalen. Heute kann der Aalfang zusätzlich zur Wasserregulierung eingesetzt werden, wobei die drei voneinander unabhängigen hölzernen Wehrtafeln mit einer Kurbel per Hand bewegt werden.