Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Schleuse Kleinmachnow

Der Schifffahrtsweg von der Elbe über Untere Havel, Spree und Dahme zur Oder führte noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Spandau und Charlottenburg über die Spree oder den Landwehrkanal durch Berlin. Auf diesem Weg waren die Schleusen Charlottenburg und Mühlendamm bzw. Unterschleuse und  Oberschleuse des Landwehrkanals zu durchfahren. Dieser Umweg über die stark frequentierten Wasserstrassen des Stadtgebiets ließen den Gedanken einer südlichen Umfahrung von Berlin aufkommen.

Landrat Ernst von Stubenrauch griff die Idee auf und verknüpfte die Interessen der Schifffahrt mit denen seines (damaligen) Kreises Teltow. Berlin wuchs und damit auch die südlichen Vororte. Ein Vorfluter als hygienische Voraussetzung einer weiteren baulichen Verdichtung für Wohnsiedlungen und Industriebetriebe war unumgänglich. Die Teltowkanal AG wurde gegründet.

Schleuse Kleinmachnow Spatenstich
Teltowkanal, Erster Spatenstich am 22.12.1900

Am 22. Dezember 1900 erfolgte am Babelsberger Schlosspark der erste Spatenstich für das Kanalbauwerk. In Kleinmachnow wurde im März 1902 mit dem Bodenaushub begonnen. 1904 waren mit den Schleusenkammern, Tortürmen, Unterhauptbrücke und Schleusengehöft wesentliche Teile fertig gestellt. Im Oktober 1905 war die Montage der Hubtore, des Torantriebes und der Heberrohranlage abgeschlossen. Am 2. Juni 1906 weihte Kaiser Wilhelm II. den Teltowkanal ein. Weitere Informationen finden Sie unter Teltowkanal.

Schleuse Kleinmachnow Yacht Alexandria
Die Yacht „Alexandria“ mit Kaiser Wilhelm II. am 2.6.1906 in der Schleuse Kleinmachnow

Während des Zweiten Weltkrieges Krieges wurde der Sitz der Teltowkanal AG von Schöneberg nach Kleinmachnow verlegt. Da sich die Aktien der Gesellschaft in den Händen der Bundesrepublik und des Landes Berlin befanden, wurde der Sitz 1950 zurückverlegt. Die DDR erkannte dies nicht an. In der Folge wurde der Kanal an der Sektorengrenze in Rudow und der Zonengrenze nach Kleinmachnow für den Schiffsverkehr gesperrt - und der Schleusenbetrieb eingestellt.

Während der Unterhalt des Teltowkanal entsprechend der Vereinbarung zwischen dem Deutschen Reich und der Teltowkanal AG aus dem Jahre 1924 von der Teltowkanal AG zu tragen war, mussten Schäden durch außerordentliche Ereignisse vom Staat übernommen werden. Dies führte dazu, dass das mit Bundesmitteln unterstützte Land Berlin (West) die westlichen Teile des Kanals zu unterhalten hatte.

Schleuse Kleinmachnow Dreilinden
Güst Dreilinden Juli 1988, Foto Hans-Dieter Behrendt

Schleuse Kleinmachnow Guest
Ehemalige Güst Kleinmachnow, Foto Lutz Hannemann

Nach Verhandlungen zwischen der Regierung der DDR und dem Westberliner Senat bzw. der Regierung der BRD kam es am 20. November 1981 zur teilweisen Wiedereröffnung der Wasserstraße von der westlichen Einfahrt her. Das Wasserstraßenhauptamt in Ost-Berlin übernahm (entsprechend dem Potsdamer Abkommen von 1945 wie auf den übrigen in Westberlin gelegenen Wasserstraßen) die Aufsicht. Zuvor wurden Grenzübergangsstellen bei TeK km 05,13 Güst Dreilinden und bei TeK 11,29 Güst Kleinmachnow eingerichtet. Am Kanalbauwerk selbst erfolgten Munitionsbergung, Ausbaggerungen von Untiefen und Instandsetzung der Kleinmachnower Schleuse. Der Westberliner Senat hat dafür 70 Millionen DM an die DDR überwiesen.

Der sich von km -0,55 (Glienicker Lake) bis km 37,84 Kilometer erstreckende Teltowkanal beginnt bei Klein Glienicke. Er zweigt aus der Havel ab und führt über den Griebnitzsee durch das Bäketal bis Kleinmachnow. Nach dem Machnower See verläuft der Kanal durch (die einst zum Kreis Teltow gehörenden Gemeinden) Lichterfelde, Steglitz, Lankwitz, Mariendorf, Tempelhof, Britz, Rudow und Alt Glienicke bis zur Einmündung in die Dahme zwischen Grünau und Köpenick. Am Hafen Britz (TeK km 28,20) gehen der Britzer Verbindungskanal (Länge 3,39 km) nach Oberschöneweide und der dem Land Berlin gehörende 4,4 Kilometer lange Neuköllner Schifffahrtskanal (NK) zum Landwehrkanal ab. Weitere Informationen finden Sie unter Britzer Verbindungskanal (BVK). Bei Kleinmachnow wurde unweit eines früheren Bäke-Staus die einzige Schleuse des Teltowkanals errichtet. Sie trennt die Spree-Haltung (den durch den Mühlendammstau gehaltenen Wasserstand) von der Havel-Haltung (begrenzt durch die Stauanlagen in Spandau und Brandenburg) und vermittelt den Ab- und Aufstieg der Schiffe bei einem mittleren Gefälle von 2,74 Meter.

Entstanden war eine Doppelschleuse in Mauerwerk, die heute als Süd- und Mittelkammer bezeichnet werden. Die zwei nebeneinander liegenden Kammern hatten nutzbare Abmessungen von 67,0 Meter Länge und 10,0 Meter Breite. Sie sind durch eine 12 Meter breite Plattform (der Schleusenplanie) getrennt. Die Kammern waren über einen Umlaufkanal und eine Pumpanlage so miteinander verbunden, dass eine jede der anderen als Sparbecken diente. Unter der Voraussetzung, dass gleichzeitig ein Schiff talauf und eines talab geschleust wurde, konnte die Hälfte des Wassers gespart werden.

Schleuse Kleinmachnow Oberhaupt1906
Schleuse Kleinmachnow, Oberhaupt 1906

Die Kammern wurden durch Hubtore geschlossen. Dies erforderte allerdings die hohen Turmbauten von Ober- und Unterhaupt, in denen an quer zur Schleuse gelagerten Wellen Tore und Gegengewichte an sechs Seilen bzw. Ketten eingebaut wurden. Von Anfang an waren die Königlichen Bauräte Max Contag und Christian Havestadt bestrebt, ein Architekturensemble zu schaffen, dass die beiden Schleusenhäupter und das Schleusengehöft harmonisch verknüpfte.

Schleuse Kleinmachnow Aussichtsgalerie
Schleuse Kleinmachnow, ehemalige Aussichtsgalerie im Unterhaupt, 2007

Im Unterhaupt gab es ab 1906 eine Aussichtsgalerie, die laut Christian Havestadt dazu bestimmt war, „dem Publikum die Einzelheiten des Schleusenbetriebes sichtbar zu machen. Im Unterwasser wird das in die Schleuse einfahrende Schiff von der auf dem Leinpfad laufenden Treidellokomotive der südlichen oder nördlichen Leitwandseite zugeführt. Die Lokomotive fährt von der südlichen Uferseite über die Schleusenbrücke auf die nördliche über und nimmt hier ein aus einer der beiden Kammern ausfahrendes Schiff auf. Im Oberwasser (des Machnower Sees) tritt ein Schleppdampfer an die Stelle der Treidellokomotive. Die Dauer einer Doppelschleusung (ein Schiff bergauf und eines bergab in einer Kammer) ist auf eine halbe Stunde bemessen ist. Jede Kammer kann ein Normalschiff von 600 Tonnen aufnehmen“.

Für den Teltowkanal mit einer Sohlenbreite von 20 Meter und einer mittleren Wassertiefe von 2,35 Meter in der Spreehaltung war ein zweischiffiger Verkehr vorgesehen. In den 1930er Jahren wurde ein Kanalausbau für den zweischiffigen Verkehr mit 1000-Tonnen-Schiffen geplant. Realisiert wurde 1940 nur die dritte Schleusenkammer in Spundwandbauweise (die heutige Nordkammer). Dafür wurde das Schleusengehöft mit dem Pfeifferschen Wirtshaus abgerissen - den Besuchern seither die Nähe zum Geschehen genommen.

Schleuse Kleinmachnow Bau Nordkammer
Schleuse Kleinmachnow, Bau der Nordkammer, um 1939, Archiv WSA

Die bereits 1904 errichtete Unterhauptsbrücke mit 37 Meter Länge und 10 Meter Nutzbreite (davon 6 Meter Fahrbahn und je 2 Meter auf die beiderseitigen Fußwege) wurde mit einem Brückenfeld über die Nordkammer verlängert, so dass sie nun auf eine Gesamtlänge von 77 Meter kam. Die kombinierte Fußgänger- und Straßenbrücke wurde 1992 durch einen Schiffsstoß beschädigt. 1993 musste die zulässige Tragfähigkeit auf 2,8 Tonnen begrenzt werden. 1994 wurde die Brücke für den PKW-Verkehr vollends gesperrt.

Schleuse Kleinmachnow Schleusenbruecke
Schleuse Kleinmachnow, Schleusenbrücke 1905, Foto Max Missmann

Schleuse Kleinmachnow Bruecke2005
Schleuse Kleinmachnow, Brücke 2005

Dazu gehörte ein Neubau der Schleusenbrücke Kleinmachnow. Dieser „wurde aus zwei Gründen erforderlich: Weder die lichte Durchfahrtshöhe noch die lichte Durchfahrtsbreite der alten Brücke reichen für den geplanten Neubau der Nordkammer der Schleuse aus. Eine Sanierung der alten Brücke ist unwirtschaftlich und auch nur mit einem hohen Risiko für die Standsicherheit der denkmalgeschützten alten Schleusenanlage möglich“.

Die Verkehrsfreigabe der neuen Schleusenbrücke erfolgte am 20. Mai 2005. Dazu wurden folgende Hauptabmessungen veröffentlicht:

Schleuse Kleinmachnow Wirtshaus
Schleuse Kleinmachnow, Wirtshaus Pfeiffer um 1907

Für die Königlichen Bauräte Max Contag und Christian Havestadt lag bereits vor 1906 „der Gedanke nahe, das interessante, in schöner Landschaft aufgebaute Schleusenbauwerk auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen und zugleich zu einem behaglichen Ruhepunkt für diejenigen zu gestalten, denen nebenbei ein Stück modernen Verkehrslebens von Interesse ist“. Dafür schufen sie das Schleusen-Wirtshaus und die Aussichtsgalerie im Unterhaupt. Das Gasthaus ist seit 1940 nicht mehr und die Galerie ist auf Grund notwendig gewordener technischer Einbauten nicht mehr zugänglich.

Schleuse Kleinmachnow Schleusnerbude
Schleuse Kleinmachnow, Information Schleusnerbude ab Frühjahr 2008

Geblieben ist auf der Schleusenplanie zwischen Süd- und Mittelkammer die denkmalgeschützte Schleusnerbude. Von dort erteilte der Schleusenmeister einst „durch Fernsprecher oder Klingelzeichen an den Schaltwärter und die auf den Leitwänden sich aufhaltenden Schleusenknechte seine Anweisungen“. Darunter und parallel über die gesamte Länge wurde das Wehr als verrohrtes Gerinne mit Schütz angeordnet, über das bei Bedarf überschüssiges Wasser vom Oberwasser in das Unterwasser abgeführt werden kann.

Schleuse Kleinmachnow Schleusenbesatzung
Schleusenbesatzung mit Schleusenwärter Wilhelm Heß, 2. von rechts, um 1935