Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Zehlendorfer Stichkanal (ZSK)
km 0,00 Abzweigung aus dem Teltowkanal (TeK) bei km 13,49 bis km 0,999 (Nordostende)

Der Zehlendorfer Stichkanal mit einer Länge von einem Kilometer zählt zu den sogenannten sonstigen Binnenwasserstraßen des Bundes. Er wird in den Akten des Berliner Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf als „Gewässer-Nr. 191“ geführt. Zuständig ist das örtliche Naturschutz- und Grünflächenamt. Eigentümer des Areals ist das Land Berlin außer der Wasserfläche und eines beidseitigen Uferstreifens. Für die 52.300 Quadratmeter wird als IST „Wasserstraßennutzung aufgegeben“ und als SOLL „Entwicklung zu einem naturnahen Landschaftsraum“ vermerkt. Dementsprechend hat das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin am Tek-km 13,49 die Einfahrt mit einem Schifffahrtszeichen verboten.

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass sich Bau und Verlauf des Teltowkanals an den durch die Bäke geprägten Oberflächenformen orientierte. Auf ihrem Weg von der Quelle am Steglitzer Fichtenberg versorgte sie den Teltower See und den Schönower See mit Wasser. Infolge der Grundwassersenkung verschwanden beide. Nach der Trockenlegung der Sumpfgebiete blieb vom Teltower See der geschwungene Verlauf des Zehlendorfer Stichkanals - und neues Bauland.

Karte Teltow Stegelitz, 1780

Karte Teltow Stegelitz, 1780

Der Bankier Carl Neuburger hatte den künftigen Nutzen erkannt und sich Gewerbegrundstücke am Kanal gesichert. 1904 gegründete er die Zehlendorfer Eisenbahn- und Hafen A.G. (Zeuhag). Am 22. Oktober 1905 nahm die Privatbahn den Betrieb zwischen dem Stadtbahnanschluss Lichterfelde West und dem Industriegelände auf – zuerst mit Zugpferden, später mit Lokomotiven.

Entscheidend für die Entwicklung in dieser Gegend wurde die Ansiedlung der Firma „Optische Anstalt C.P. Goerz“ während des Ersten Weltkriegs. Der in Rathenow ausgebildete Optiker Goerz hatte 1886 in der Berliner Zimmerstraße ein Einzelhandels- und Versandgeschäft eröffnet. Schon 1890 produzierte er mit der „Goerz-Anschütz-Moment-Camera“ die erste Schlitzverschlusskamera der Welt. Wenig später bezog die inzwischen zur Aktiengesellschaft umgewandelte Firma größere Gebäude in der Friedenauer Rheinstraße. Als auch diese nicht mehr ausreichten entstand 1918 am Hafen des Zehlendorfer Stichkanals (ZSK) das „Goerzwerk" in Lichterfelde nebst einer Werksiedlung für die Angestellten. Da Goerz fast gleichzeitig alle Aktien der Zehlendorfer Eisenbahn- und Hafen AG übernommen hatte, konnte wenig später der Personenverkehr auf der so genannten „Goerzbahn“ eingeführt werden. 1926 erwarb die Zeiss-Ikon AG 53 Prozent der bisherigen „Optischen Anstalt C.P. Goerz AG“. Produziert wurden nun Kameras und Beleuchtungseinrichtungen für Kinoprojektoren.

In unmittelbarer Nähe sind nach Plänen des Architekten Hans Hertlein 1939/41 die Telefunken-Werke entstanden. 1945 avancierte das ausgedehnte Werksgelände zum größten Areal mit Kasernen, Werkstätten und Stellplätzen der Amerikaner in Berlin – die Mc Nair Barracks, benannt nach Generalleutnant Lesley J. Mc Nair, der 1944 bei einem geheimen Einsatz in der Normandie fiel. Die Gebäude wurden von der US-Army zuerst als Hauptquartier genutzt und 1949 zu Truppenunterkünften für das 6. US-Infanterie-Regiment umgebaut. Zeitweise waren hier bis zu 2300 Soldaten stationiert, drum herum wie in einer Kleinstadt Kirche, Fitnesscenter, Commissary, Post Exchange, Waschsalon und für die Paraden, 400 mal 70 Meter groß, der „Platz des 4. Juli".

Telefunkenwerk Berlin - Goerzallee

Telefunkenwerk Berlin - Goerzallee

Nach dem Abzug der US-Army aus Berlin und der Auflösung des „Guard Battailon“, bei dem die zivilen Angestellten der alliierten Streitkräfte beschäftigt waren, Reinigungspersonal, Wachschutz, Instandhaltung, haben die „Ehemaligen“ einen Verein gegründet, der nun die Begegnungsstätte „Mc Nair Barracks Museum“ betreibt. Darüber hinaus wird für das denkmalgeschützte Areal der Telefunken-Werke in der Goerzallee 190-234 eine angemessene Nutzungsmischung angestrebt. Die in Stahlbeton-Bauweise errichteten Gebäude bieten immerhin eine Gesamtbruttogeschossfläche von über 100.000 Quadratmetern.

Zehlendorfer Stichkanal

Zehlendorfer Stichkanal, Quelle LGB

Nachzutragen ist, dass der Hafen nach 1945 seine Bedeutung verlor: Blockade, Mauer und die Abwanderung der Firmen nach Westdeutschland hatten ihre Wirkung. Geblieben sind die Gleise der „Goerzbahn“, entstanden ist das „Biotop Zehlendorfer Stichkanal“. Dabei ist es nicht so, dass an der Goerzallee nichts „los“ ist. Industrie ist da, Baumarkt, Möbeldiscounter, Handwerkerhof - die aber haben ihre Transporte längst vom Wasser auf die Straße verlegt.