Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Rummelsburger See (RmS)

Nordwestende bis Einmündung in die Spree-Oder-Wasserstraße (SOW), Treptower Spree, bei km 24,00 (Länge gemessen)

Glaubt man den Werbesprüchen, dann wird die Rummelsburger Bucht inzwischen als „Smaragd inmitten der Hauptstadt" bezeichnet. Das war nicht immer so. Jahrzehnte dominierte rings um den Rummelsburger See die Industrie. Auf der Rummelsburger Seite war die Chemie, auf der Halbinsel Stralau Glasherstellung, Getränkeproduktion und Schifffahrt. Das hatte Folgen.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung leiteten 1999 Maßnahmen ein, um die Belastungen des Seegrundes aus der Vergangenheit zu beheben.

Da See und Umfeld im Zweiten Weltkrieg allerdings Ziel umfangreicher Luftangriffe waren, musste vor der Sanierung eine Kampfmittelsuche auf einer Fläche von ca. 375.000 Quadratmetern gestartet werden. Geborgen wurden 5.200 Kilogramm Kampfmittel, darunter 5 Bombenblindgänger. Danach wurden insgesamt 70.000 Kubikmeter Schlamm entnommen, an Land transportiert und aufbereitet. 60.000 Kubikmeter hochbelasteter Filterkuchen fiel an.

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Spundwand im Rummelsburger See

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Spundwand und Umwälzanlage im Rummelsburger See

Um eine Verdriftung der aufgewirbelten Schwebstoffe in die Spree zu verhindern, wurde zuvor im Eingangsbereich eine 250 Meter lange Spundwand errichtet, in der für die Schifffahrt eine 18 Meter breite Öffnung belassen wurde. Zur Stabilisierung wurde zusätzlich eine Umwälzanlage installiert. Auf Spundwand und Umwälzanlage kann dort auf Jahre nicht verzichtet werden.

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Rummelsburger See, Quelle Google Earth

Der Rummelsburger See ist Teil eines ehemaligen Spreearmes, eine Bucht, deren westliche Seite in Jahrhunderten verlandet ist. Geblieben sind die Halbinsel Stralau und am Übergang zur Spree die Eilande „Kratzbruch“ und „Liebesinsel“. Zu erwähnen ist, dass sich aus Ruschegraben und Marzahn-Hohenschönhausener Grenzgraben die Regenentwässerung diverser Stadtgebiete in den See ergießt.

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Links der Kratzbusch,rechts die Liebesinsel, dahinter die Spree

Stralau, einst ein Fischerdorf, entstand zeitgleich mit Berlin und Cölln. Unter dem Namen „Stralow“ wird die Siedlung 1358 urkundlich erwähnt. Einhundert Jahre später entstand die Kirche, ein Bau, mit dem die Gemeinde wohl alle Zeit Probleme hatte. Nach einem Entwurf des Berliner Stadtbaurates Friedrich Wilhelm Langerhans (1780-1851) wurde der Turm 1823/24 „umgestaltet“. 1932 musste das Gotteshaus wegen Baufälligkeit geschlossen werden. 1934 neigte sich der Turm um fünf Zentimeter. 1935 wurde er abgetragen. 1938 war er in alter äußerer Form wieder errichtet und die Kirche restauriert.

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Der schiefe Kirchturm von Stralau

Einigermaßen bekannt wurde das Fischerdorf mit dem „Stralauer Fischzug“. Alljährlich am 24. August, dem Bartholomäustag, wird mit einem Festzug das Anfischen nach der Schonzeit gefeiert. Das hat Tradition: 1574 verfügte Kurfürst Johann Georg von Brandenburg ein Verbot des Fischens von Ostern bis Bartholomäus: „Wir Wollen, Setzen und Ordnen, dass alle und jegliche Wasser mit großen Garnzügen vom Grünen Donnerstag bis auf Bartholomäi durchaus sollen verschonet werden, damit die Fischerei nicht zu Schaden komme, weil der Laich und die jungen Fische zu Unzeiten gebraucht werden.“

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Halbinsel Stralau zu einem Industriestandort. 1865 ließ sich „Teppichfabrik M. Protzen & Sohn“ in Alt-Stralau 3-4 nieder. 1885 entstand der Speicher der „Palmkernöl- und Schwefelkohlenstofffabrik Rengert & Co“. 1896 wurde die „Stralauer Glashütte Actiengesellschaft“ gegründet. Die Projektierung übernahm der Glastechnologe Robert Dralle. Aus deutschen Regionen wurden Glasmacher angeworben. 1909 kam eine vollautomatische Flaschenmaschine zum Einsatz. In den zwanziger Jahren betrug die Tagesproduktion durchschnittlich 130.000 Flaschen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Glashütte erheblich zerstört. Ab 1949 firmierte das Unternehmen als VEB Glaswerk Stralau. Die 1990 gegründete Stralauer Glashütte GmbH wurde von den Nienburger Glaswerken übernommen und produzierte noch bis 1996 am Gründungsort. Geblieben ist nicht viel von den Industriebauten.

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Alter Speicher und neue Häuser auf der Halbinsel Stralau

Speicher und Flaschenturm sind die noch verbliebenen Zeugen des Industriestandorts. Die Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Hinter den roten Klinkern des Flaschenabfüllgebäudes in der Krachtstraße 9-10 verbirgt sich eine Stahlskelettkonstruktion, die als besonderes Beispiel der Berliner Industriebauten aus den 1920er Jahren gilt. Möglich wurde der Bau des Architekten Bruno Buch (1883-1938) erst mit der Übernahme der 1886 gegründeten Viktoria-Brauerei Stralau durch die Brauerei Engelhardt. Damals wurden täglich 300.000 Flaschen abgefüllt. Engelhardt wurde zu einem der größten Malzbierproduzenten. Das Ende ist schnell erzählt: 1949 Enteignung, 1951 VEB Engelhardt, 1969 VEB Getränkekombinat Berlin, 1990 Schließung der Fabrik.

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Flaschenturm der Brauerei Engelhardt

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Überlebt hat auf der Halbinsel - bis heute jedenfalls - mit der Geppertschen Hansa-Werft wenigstens eine der Stralauer Werften. Gegründet wurde sie 1911 auf der Rummelsburger Seite an der Köpenicker Chaussee. Als 1926 dort das Kraftwerk Klingenberg gebaut wurde, siedelte man sich in der Tunnelstraße an. Mit den Schiffsbauern der Firma Deutsch und der Havel-Spree-Dampfschifffahrtsgesellschaft „Stern“, die zur DDR-Zeit zum Schiffsreparaturbetrieb der „Weißen Flotte“ avancierte, war man in bester Gesellschaft. Inzwischen ist der letzte verbliebene Bootsbaumeister auch Betreiber des Yachthafens.

Nachdem aus Stralow 1893 Stralau wurde und bevor mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 Stralau seine Selbständigkeit verlor und Teil des Stadtbezirks Friedrichshain wurde, sorgte die AEG zwischen 1895 und 1899 mit dem Bau eines Versuchstunnels unter der Spree zwischen Stralau und Treptow für Aufregung. Die Bauarbeiten für den ersten im Schildvortriebverfahren errichteten Unterwassertunnel gestalteten sich schwieriger als erwartet.

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Mund des Spreetunnels in Stralau, 1898

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Straßenbahn vor dem Spreetunnel

Der Tunnel verlief zwischen der Stralauer Tunnelstraße und Alt-Treptow/Puschkinallee am Treptower Park und unterquerte die Spree. Er war 454 Meter lang, 4 Meter breit und lag mit dem Scheitelpunkt in 12 Meter Tiefe unter der 195 Meter breiten Spree. Am 18. Dezember 1899 nahm die Straßenbahngesellschaft „Berliner Ostbahnen“ den Liniendienst zwischen Schlesischer Bahnhof, Stralau und Treptow auf. Die Tunneldurchfahrt der ersten „Untergrundbahn“ Deutschlands dauerte drei Minuten. 1909 wurde die Straßenbahnlinie nach Köpenick verlängert. Nachdem Risse in den Tunnelwänden festgestellt worden waren, wurde der Verkehr 1932 eingestellt. 1948 wurde der Spreetunnel geflutet – für die Erinnerung sind Namen geblieben, die „Tunnelstraße“ in Stralau und der „Platz am Spreetunnel“ im Treptower Park.

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Rummelsburger See und Ostkreuz

Der Angelpunkt zwischen der Stralauer und der Rummelsburger Seite des Rummelsburger Sees ist zweifellos der S-Bahnhof Ostkreuz. Die 1882 eröffnete Station Stralau-Rummelsburg wurde 1933 in Ostkreuz umbenannt. Hier kreuzen sich Stadtbahn und Ringbahn. Täglich steigen an diesem hochfrequentierten Bahnhof bis zu 140.000 Menschen um. Seit Jahrzehnten wird eine Sanierung gefordert. 2007 begannen unmittelbar nördlich der Bucht die Bauarbeiten.

Die beiden Bahnsteige der Stadtbahn werden so umgebaut, dass alle Züge in einer Richtung (Ost-West) an einem Bahnsteig halten. Dazu wird ein Brückenwerk östlich bei Rummelsburg errichtet, an der sich die Züge Richtung Erkner und Lichtenberg kreuzen. Während der Sanierung wird auch ein Tunnelstück für die geplante Verlängerung des Berliner Stadtrings (A 100) errichtet. Die Straßenbahn der Boxhagener Straße soll direkt unter dem Bahnsteig der Ringbahn halten. Die Verkehrsplaner rechnen mit 230.000 Nutzern pro Tag nach Umbau der Station.

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S-Bahnhof Ostkreuz, 2007


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Modell S-Bahnhof Ostkreuz

Unmittelbar hinter dem Ostkreuz entlang von Hauptstraße und Köpenicker Chaussee hatten Industrie und Gewerbe ihr Domizil. Weil davon nicht viel geblieben ist, wurde die Rummelsburger Bucht in den 1990er Jahren zum Entwicklungsgebiet erklärt. Die Wasserstadt GmbH fungiert dort heute als „treuhänderischer Entwicklungsträger des Landes Berlin“. nter dem Slogan „Ort für gute Einfälle“ sucht die Firma nach Nutzern: „Ob Verwaltung, Schulungs- oder Bildungszentrum, Wohnen oder Arbeiten: im BerlinCampus ist viel Platz für kreative Ideen“.

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Entwicklungsprojekt Rummelsburger Bucht

Gemeint ist das Städtische Arbeitshaus Rummelsburg. Bekannt ist der Gebäudekomplex eher unter der Bezeichnung „Gefängnis Rummelsburg“. Die 19 ein- bis viergeschossigen Backsteingebäude wurden zwischen 1877 und 1879 nach Plänen von Stadtbaurat Hermann Blankenstein als Arbeitshäuser errichtet. Während das Verwaltungsgebäude mit seinen Verblendsteinen und Terrakotta-Ornamenten noch repräsentativ genannt werden kann, sind die im hinteren Teil liegenden Verwahrungshäuser mit ihren flachen Dächern äußerst schlicht. Als Städtisches Arbeitshaus diente es der Strafunterbringung, als Besserungs- und Erziehungsanstalt. Nach 1945 wurden einige der durch Bomben schwer beschädigten Häuser wieder aufgebaut.

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Neue Häuser und Justizanstalt

1953 erfolgte der Umbau zur Haftanstalt. Bis zu 900 männliche Gefangene konnten dort inhaftiert werden. Bevor der Komplex im Oktober 1990 geschlossen wurde, saß hier im Januar der ehemalige SED-Partei- und DDR-Staatschef Erich Honecker vorübergehend in Untersuchungshaft. Nun werden für die denkmalgeschützte Anlage Nachmieter gesucht.

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Knabenhäuser

Nach dem Entwurf des Architekten Gustav Holzmann wurde das Städtische Friedrichs-Waisenhaus von 1854-1859 auf einem 13 Hektar großen Areal für etwa 500 Kinder gebaut. Architektonisch ist der Gebäudekomplex ein typisches Beispiel der „Berliner Backsteinkunst". Insgesamt bestand die Anlage aus jeweils vier Knaben- und Mädchenhäusern, einem Lazarett mit zentraler Koch- und Waschküche, einem Wirtschaftsgebäude, einer Gärtnerei, einem Badeschiff für die Mädchen und einer Badestelle für die Jungen. Die ehemaligen Knabenhäuser am Uferweg sind bis heute erhalten geblieben. Sie stehen unter Denkmalschutz.

Nicht mehr am Rummelsburger See, sondern schon an der Spree-Oder-Wasserstraße bei km 24,50 ragt das Kraftwerk Klingenberg in den Himmel. Gebaut wurde es 1925/26 nach dem technischen Konzept von Georg Klingenberg, dem Pionier des modernen Kraftwerksbau. Die expressionistische Industriearchitektur schufen Walter Klingenberg und Werner Issel - immer noch eindrucksvoll die rote Klinkerverkleidung. Das Großkraftwerk ging 1927 mit einer Leistung von 270.000 kW ans Netz.

Heute wird die 1987 zum Heizkraftwerk umgerüstete Anlage von der Vattenfall Europe AG betrieben, versorgt auch mit Braunkohle aus dem Lausitzer Revier, die im Hafen von Königs Wusterhausen umgeschlagen wird und von Schubverbänden über die Dahme-Wasserstraße und die Spree-Oder-Wasserstraße zum Stichkanalhafen des Kraftwerks Klingenberg gebracht wird.

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Kraftwerk Klingenberg