Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Müggelspree (MgS)

km 0,00 Einmündung in die Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) bei Köpenick km 32,85 bis 11,85

Einmündung in den Dämeritzsee km 44,85 (UW Wehr Große Tränke) bis 45,10 (Abzweigung aus der SOW, Fürstenwalder Spree, bei km 69,10)

Die Spree ist rund 400 Kilometer lang, etwa 180 davon sind schiffbar. Auf ihrem Weg bis zur Mündung in die Havel wurde sie mit einigen Namen „spezieller“ charakterisiert: Untere Spree, Berliner Spree, Treptower Spree, Oberspree, Fürstenwalder Spree und eben auch Müggelspree.

Die Müggelspree wiederum gliedert sich in drei Teile. Der längste Abschnitt von Große Tränke bei Fürstenwalde bis zum Dämeritzsee bei Erkner ist eine Landeswasserstraße Brandenburgs. Vom Wehr Große Tränke schlängelt sich der Fluss im ursprünglichen Verlauf in zahlreichen Windungen (und Altarmen) bis zur Einmündung am Spree-Eck des Dämeritzsees. Ein „Paradies für Paddler und Ruderer“.

Müggelspree am Wehr Große Tränke

Müggelspree am Wehr Große Tränke.

Müggelspree Paradies für Paddler und Ruderer

Müggelspree Paradies für Paddler und Ruderer

Der zweite Abschnitt der Müggelspree verbindet den Dämeritzsee mit dem Großen Müggelsee. Die Bundeswasserstraße wird vom Außenbezirk Erkner des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin betreut. Auf dem Dämeritzsee, den sich die Länder Berlin und Brandenburg etwa je zur Hälfte teilen, kommen Fracht-, Ausflugs- und Sportschifffahrt zusammen. Im südlichen Teil des Sees treffen gleich fünf Wasserstraßen unterschiedlicher Rangordnung aufeinander: Gosener Graben, Gosener Kanal, Alter Spreearm, Müggelspree von Große Tränke und Müggelspree nach Müggelsee. Damit keiner (auch bei Nacht) die Orientierung verliert, ist bei km 11,39 das Leuchtfeuer Hessenwinkel installiert.

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Alte Spree km 0,40 bis 0,10

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km 0,00 Einmündung der Müggelspree in den Dämeritzsee

Dämeritzsee Leuchtfeuer Hessenwinkel

Dämeritzsee Leuchtfeuer Hessenwinkel

Von der Abzweigung aus dem Dämeritzsee bei km 11,80 verläuft die Müggelspree durch die Berliner Ortslagen Hessenwinkel, Neu-Venedig, Siedlung Schönhorst und Rahnsdorf. Das sumpfige Wiesengelände des Gutes Rahnsdorf wurde 1926 trockengelegt. Entstanden sind fünf miteinander verbundene Kanäle mit zwölf darüber hinweg führenden Brücken. Mit der Zeit wurde dort aus einer schlichten Wochenendsiedlung ein teures Wohngebiet mit Bootsstegen - Neu-Venedig.

Neu-Venedig

Neu-Venedig

Die Ufer innerhalb der Siedlung wie auch jene zur Bundeswasserstraße Müggelspree hin sind mit einer naturnahen Holzpfahlreihe gesichert. Da auch an diesen Ufersicherungen der Zahn der Zeit nicht spurlos vorübergeht, überprüft der Außenbezirk Erkner des WSA Berlin regelmäßig die Anlagen und führt bei Bedarf die notwendigen Reparaturen aus. Diese Baustellen liegen dann oftmals weit vom Heimathafen in Erkner entfernt und sind von der Landseite her teilweise kaum zu erreichen. Sie werden deshalb in der Regel von der Wasserseite her erschlossen, weshalb vor Ort alle für die Instandhaltungsarbeiten erforderlichen Schiffe und Geräte anzutreffen sind - wie beispielsweise das Bauhüttenschiff für die Mitarbeiter oder die Geräteschute der Kolonne.

Geräteschute des WSA Berlin

Geräteschute des WSA Berlin auf der Müggelspree

Bauhüttenschiff des WSA Berlin

Bauhüttenschiff des WSA Berlin auf der Müggelspree

Nicht weit von dieser (befristeten) Wasserbaustelle liegt bei km 8,50 Rahnsdorf. Der Ort wurde bereits 1375 als „Radenstorf" im Landbuch von Kaiser Karl IV. erwähnt. Auf der höchsten Erhebung steht der gelbe Backsteinbau der Kirche. Das Areal ringsherum, der alte Dorfkern mit dem Kirchplatz, der noch bis 1877 als Friedhof genutzt wurde, steht unter Ensemble-Denkmalschutz.

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Rahnsdorf

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Rahnsdorf Anlegestelle

Die einschiffige Kirche im romanisch-gotischen Mischstil wurde in den Jahren 1886/88 auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus errichtet. Auf dem hochaufragenden quadratischen Turm erinnert noch die Wetterfahne daran, dass Rahnsdorf einst ein Fischerdorf und bereits 1487 im Besitz von Fischereirechten war. Ein Fährhaus gibt es, ohne Fähre, dafür aber eine Anlegestelle der BVG, die mit den Fährlinien F23 und F24 in den Sommermonaten für die Verbindung über die Müggelspree hinüber nach Neu-Helgoland und weiter über den Kleinen Müggelsee und die Bänke zum Anleger Müggelwerderweg sorgt. Es gibt Überlegungen, an dieser Stelle eine Fußgängerbrücke hinüber zu den Müggelheimer Wiesen zu bauen. Das Projekt ist umstritten, da die Brücke fünf Meter Höhe haben müsste, um die Durchfahrt der Fracht- und Fahrgastschiffe zu gewährleisten.

Hinter der Rahnsdorfer Kirche nahm die Müggelspree ursprünglich eine rechte Kurve in Richtung Müggelsee. Mit Ausbau und Begradigung durch den Kleinen Müggelsee in den Jahren 1877/78, entstanden durch Verlandung die Bucht der Bänke sowie die Inseln Dreibock, Entenwall und Kelchsecke - im neuen Flusslauf die seither stets beliebten Ausflugsgaststätten „Neu-Helgoland" und „Müggelhort".

Neu-Helgoland

Neu-Helgoland

Ausflugsgaststätte  Müggelhort

Ausflugsgaststätte Müggelhort

Unmittelbar danach breitet sich der Große Müggelsee aus. Mit einer Wasserfläche von über 7 Quadratkilometern ist er der größte See Berlins - 4,4 Kilometer lang und 2,6 Kilometer breit. Die maximale Tiefe beträgt 8 Meter, wird jedoch nur an wenigen Punkten erreicht. Aus dem See ragen die 115 Meter hohen Müggelberge heraus, auf dem kleineren davon auch der Müggelturm, dessen Ausflugsgaststätte seit der Wiedervereinigung auf eine Wiederbelebung wartet.

Großer Müggelsee

Großer Müggelsee

Der Große Müggelsee ist ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel für die Berliner. Im Sommer tummeln sich hier Paddler, Segler und bei entsprechendem Wind auch Surfer. Für die Freizeitkapitäne gilt es zu beachten, dass die ausgetonnte Fahrrinne von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nicht verlassen werden darf (für Anlieger am Seeufer gibt es Ausnahmen). Diese seit Mitte der 1990er Jahre eingeführte Regelung sollte zum einen den Röhrichtbestand sichern, zum anderen auch die seinerzeit noch betriebene Oberflächenwasserentnahme des Wasserwerkes Friedrichshagen gewährleisten.

Der See ist mittlerweile Bestandteil eines Verbundsystems von Schutzgebieten nach der so genannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH). In den Uferbereichen ist er geprägt von dichten Röhrichtbeständen und Auwaldresten, verstärkt siedeln sich auch wieder Wasserpflanzen in den Flachwasserbereichen an.

Wer den Großen Müggelsee in Richtung Friedrichshagen befährt, wird am nördlichen Ufer vor dem Wasserwerk die Forschungs- und Messstation „Georg Mothes“ sehen, die vom „Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei“ betrieben wird. Die Station, die kontinuierlich Daten des Müggelsees, wie Wassertemperatur oder Sauerstoffgehalt aber auch Windgeschwindigkeit oder Lufttemperatur sammelt, wird nahezu ganzjährig betrieben. Unter http://www.igb-berlin.de/grosser_mueggelsee.html können stündlich aktuelle meteorologische und hydrologische Messwerte abgefragt werden.

Forschungs- und Messstation des Leibniz-Instituts auf dem Müggelsee

Forschungs- und Messstation des Leibniz-Instituts auf dem Müggelsee

Nicht weit davon schauen hinter uralten Bäumen bei km 5.00 die roten Backsteinbauten des Wasserwerks Friedrichshagen hervor. Auf Drängen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) erklärte sich die Stadt Berlin erst 1852 bereit, mit dem englischen Unternehmen von Charles Fox und Thomas Rushell Crampton einen Vertrag über die Versorgung Berlins mit Trinkwasser abzuschließen. An den Straßenrändern erinnert noch manch erhaltene Handwasserpumpe an die bis ins späte 19. Jahrhundert übliche Wasserversorgung. Das bis heute zweitgrößte unter den Berliner Wasserwerken nahm 1893 den Betrieb auf. Nachzutragen ist, dass 1991 die Seewasserentnahme eingestellt wurde und seitdem ausschließlich Grundwasserförderung erfolgt. www.museum-im-wasserwerk.de

Wasserwerk  Friedrichshage

Wasserwerk Friedrichshagen

Im Fahrstreckenverzeichnis der Binnenschifffahrt ist für die Müggelspree bei km 3,80 ein „Leuchtfeuer Spreetunnel“ vermerkt – ein Hinweis darauf, dass es nach dem ausladenden Müggelsee nun auf der schmaleren Müggelspree weiter stadteinwärts geht.

Leuchtfeuer Spreetunnel

km 3,80 Leuchtfeuer Spreetunnel

Wenn die Fahrgastschiffe die Geschichte nicht erzählen würden, bekäme es kein Mensch mit, dass es in Berlin trotz des bekannt schwierigen Baugrundes zahlreiche Tunnel für U-Bahn, S-Bahn, Fernbahn, Straßen und sonstige Versorgung unter der Spree gibt. Der Spreetunnel (für Fußgänger) in Friedrichshagen gehört dazu. Unmittelbar hinter dem Ausfluss der Spree aus dem Müggelsee verbindet er Friedrichshagen mit der Kämmereiheide und Wendenschloss. Ursprünglich verkehrte an dieser Stelle eine Fähre. Das sensationelle Ereignis kam 1926/27 in Form eines Senkkastens: Die Teile eines 120 Meter langen und 5 Meter breiten Betonrohres wurden in den Spreegrund eingelassen und in einer Wassertiefe von 8,5 Metern zu einem Tunnel verbunden.

Spreetunnel     Eingang Friedrichshagen

km 3,80 Spreetunnel Eingang Friedrichshagen

preetunnel  Ausgang Kämmereiheide

km 3,80 Spreetunnel Ausgang Kämmereiheide

Unmittelbar daneben hatte der Kaufmann Hermann Schäfer bereits 1871 seine „Lindenbrauerei" eröffnet, aus der einige Jahre später „Töpsers Brauerei Friedrichshagen" wurde. 1888 nannte sich das Unternehmen „Müggelschlößchen Brauerei". Aus der „Ersten Genossenschaftsbrauerei der Gastwirte von Berlin und Umgebung“ des Jahres 1901 wurde 1935 die „Berliner Bürgerbräu AG". Mit der DDR wurde daraus die „Berliner Bürgerbräu des VEB Getränkekombinat Berlin“ - ein „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit". Von Bedeutung könnte heute sein, dass die (bisher noch) private „Berliner Bürgerbräu GmbH“ neben den Braukunsterzeugnissen „Rotkehlchen", „Hauptmann von Köpenick“ und „Bernauer Schwarzbier" seit 1992 die KaDeWe-Hausmarke „Premium Pilsner“ herstellt.

Berliner Bürgerbräu

Berliner Bürgerbräu

Nach so viel Gebräu verabschiedet sich alsbald auch die Müggelspree. Bevor sie sich im Köpenicker Becken und umgeben von der Altstadt mit der Dahme zusammentut, sich wieder nur Spree nennt und Teil der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) wird, weist sie zwischen km 0,40 und km 0,10 noch einmal darauf hin, dass ihr Hauptarm früher um die Baumgarteninsel herum ging und der jetzige Verlauf nur der  „Katzengraben“ war. 1867 wurde dieser dann als Kanalstück ausgebaut, so dass er den Flusslauf für die Schifffahrt begradigte. Geblieben ist über der Einmündung die Dammbrücke, eine Verbindung zwischen der Köpenicker Altstadt und der Dammvorstadt. Vorgänger hatte sie einige, Nachfolger bisher zwei: Die Holzbrücke mit dem „Dammtor" für Schiffsdurchfahrten wurde 1890 durch eine Backsteinbrücke ersetzt. Da die Durchfahrt ziemlich eng und der Bau altersschwach war, wurde zwischen 1984 und 1986 wieder eine neue Dammbrücke gebaut.

Einmündung der   Müggelspree in die Spree-Oder-Wasserstraße

km 0,00 Einmündung der Müggelspree in die Spree-Oder-Wasserstraße (SOW)

Zu klären wäre noch, was „Müggel“ eigentlich bedeutet. Um es vorweg zu nehmen: Es streiten sich die Geister.

Variante 1: Die erste Nennung des Wortbestandteils „Müggel“ soll im „Codex diplomaticus Brandenburgensis“ stehen: 1394 als „Tyns in der Miggel“ und 1487 als „Miggelseh“.

Variante 2: Wahrscheinlicher sei eine vorslawische Herkunft aus den Wortwurzeln „migh“, „mighla“ oder „miggelen“ (niederländisch), was so viel wie Nebel, Wolke oder Staubregen bedeutet.

Variante 3: Möglich ist auch, dass die „Müggel“ nach dem altdeutschen Wort „mikil” benannt wurde, was wiederum groß oder mächtig bedeutet.