Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Löcknitz (Lö) 

km 10,65 (Nordostende Möllensee) bis 0,00 (Mündung in die RüG, Flakensee, bei km 2,60) 

Unter dem Begriff Löcknitz (Lö) wurden mehrere Gewässer mit einer Gesamtlänge von 10,65 Kilometer als schiffbare Wasserstraße zusammengefasst, allen voran die Löcknitz selbst, dann in der Reihenfolge Werlsee, Peetzsee und Möllensee. Die nicht schiffbare Löcknitz, auch faule Löcknitz genannt, verabschiedet sich heute noch vor dem Werlsee bei km 3,50 und windet sich wie ein Mäander hin zu ihrer Quelle am Maxsee.

Die Wasserstraße hatte ursprünglich eine Fahrwassertiefe von einem Meter und ließ den Verkehr von nur 90-Tonnen-Schiffen zu. Später wurde sie auf 2 Meter und 18,5 Meter Wasserspiegelbreite gebracht.

Beginnen wir dort, wo die Löcknitz endet, am Flakensee bei Erkner. Das hat seinen guten Grund, weil sie sich sowieso nur ein Stück öffnet, und der Weg zur Quelle irgendwo am Maxsee auch für Paddler und Ruderer nicht zu nehmen ist.

Flakensee

                                    Auf dem Flakensee

Dem Archiv der Königlichen Regierung zu Potsdam ist zu entnehmen, dass in den Jahren zwischen 1873 und 1875 für eine schiffbare Löcknitz gesorgt wurde, um den Abtransport der Ziegelsteine von der Herzfelder Steinablage bei km 10,0 hin zur Seenkette zu ermöglichen. Andere Urkunden berichten davon, dass es schon um 1850 einen lebhaften Schiffsverkehr für den Abtransport von Holz aus der Rüdersdorfer Heide gegeben hat. Dafür spricht viel, weil die Königliche Regierung in Potsdam im Jahre 1901 in der Zusammenstellung der „Märkischen Wasserstraßen“ für die knapp 11 Kilometer noch 9 Forstablagen auflistet. Vorreiter war wohl ein Holzfäller, der um das Jahr 1700 am „Faulen Forth“ Haus und Stau errichtete, um dann durch das Öffnen des Wehres Baumstämme über die Löcknitz zur Spree zu flößen.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurde zwischen Werlsee und Flakensee der Löcknitzkanal gebaut, mit dem die zahlreichen Windungen des Flusses umgangen wurden. Er gestattete den Transport von Kies und Sand mit Finowmaß-Kähnen von der am Möllensee gelegenen Grube. Übrig geblieben ist bis heute die so genannte „faule Löcknitz“, die bei km 3,50 in den Kanal mündet. Zu dieser Zeit jedenfalls erlebten die von König Friedrich II. (1712-1786), genannt auch der Große oder der Alte Fritz, für ausgediente Soldaten geschaffenen Kolonistensiedlungen Alt-Buchhorst, Bergluch, Fangschleuse, Gottesbrück und Grünheide einen Aufschwung. In Grünheide gab es damals etwa 70 Schifferfamilien.

Nach dem Ersten Weltkrieg siedelten sich Intellektuelle an. In der Villa Alexander am Peetzsee (Grünheide, Waldeck 4) lebte von 1921 bis zur Flucht ins Schweizer Exil 1938 der Dramatiker Georg Kaiser. Nach der Gründung seines Berliner Verlages 1919 legte sich der Verleger Ernst Rowohlt in der Bahnhofstraße 1 (heute Karl-Marx-Straße) eine Villa zu. Als Lektoren holte er sich Franz Hessel, Friedo Lampe und Ernst von Salomon: Mit den Büchern „Besonnte Vergangenheit“ von Carl Ludwig Schleich und „Kleiner Mann - Was nun?“ von Hans Fallada erlebte Rowohlt einen derartigen Höhenflug, dass er Fallada im Sommer 1932 sogar brieflich bat, „in Kölpinsee bei dem dortigen Räucherwarenhändler zwei sehr schöne Spiekaale, ganz, ganz frisch, zu bestellen und diese durch Eilboten nach Grünheide zu schicken“.

Kurz danach war es für den Schriftsteller Ernst von Salomon schon so weit, dass „man sich in Grünheide traf, wenn man sicher sein wollte, ein offenes Wort miteinander wechseln zu können“. Später war das auch nicht mehr möglich, wie die Öffentlichkeit im Jahre 2006 erfuhr. Bekannt war bis dahin, dass das Kreisgericht Fürstenwalde wegen eines von Robert Havemann im „Spiegel" veröffentlichten Protestes gegen die Biermann-Ausbürgerung ihn unter Hausarrest stellte und sein Grundstück in der Burgwallstraße 4 in Alt Buchhorst daraufhin zwischen 1976 und 1979 streng bewacht wurde. Havemann (1910-1982) war Chemiker, Kommunist, Widerstandskämpfer, Regimekritiker und allerdings auch Inoffizieller Mitarbeiter des MfS, der „belastende Informationen über ihm bekannte Personen aus beruflichem, politischem und privatem Umfeld“ abgab. Geblieben ist sein Grab auf dem Grünheider Waldfriedhof.

„Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ führten auch Theodor Fontane in diese Gegend: „Die Löcknitz ist eines jener vielen Wässerchen in unsrer Mark, die, plötzlich aus einem Loch oder See tretend, auf eine kurze Strecke hin einen Parkstreifen durch unser Sand- und Heideland ziehn. Keines unter all diesen Wässerchen aber ist vielleicht reizvoller und unbekannter zugleich als die Löcknitz. Immer dieselben Requisiten, gewiss; und doch, wer an dieser Stelle spätnachmittags an der Grenzlinie zwischen Wald und Wiese hinfährt, dem eröffnet sich eine Reihe der anmutigsten Landschaftsbilder. Hier dringt der Wald von beiden Seiten vor und schafft eine Schmälung, dort tritt er zurück, und der schmale Wiesenstreifen wird entweder ein Feld oder das Flüsschen selber ein Teich, auf dem im Schimmer der untergehenden Sonne die stillen Nymphäen schwimmen. Dann und wann ein rauschendes Wehr, eine Sägemühle, dazwischen Brücken, die den bequemen Wald-und-Wiesen-Weg vom rechten aufs linke und dann wieder vom linken aufs rechte Ufer führen. Selbst die Namen werden poetisch: Alt Buchhorst und Liebenberg, Klein Wall und Gottesbrück und der Werl- und Möllen-See dazwischen.

Siedlung am Löcknitzkanal  Gasthaus am Werlsee

                                Siedlung am Löcknitzkanal                                                                        Gasthaus am Werlsee

Zwischen beiden liegt der Peetzsee und dort der Heimathafen der Grünheider Reederei Kutzker. Mit ihren Schiffen befährt die Familie bereits in der sechsten Generation die Löcknitz-Gewässer. Begonnen hat es mit Julius Kutzker, der 1910 seine Reederei von der Lasten- auf Fahrgastschifffahrt umstellte. In Rummelsburg ließ er sich mit der „MS Weichsel“ ein erstes Schiff bauen. Auf dem 14 Meter langen Ausflugsdampfer drängten sich bis zu 80 Fahrgäste - heute dürfte das Schiff vielleicht 25 aufnehmen. 1926 kam ein zweites, 1928 ein drittes hinzu. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Reederei 1949 den normalen Schiffsverkehr wieder auf. Zehn Jahre später mussten alle Schiffe an die volkseigene „Weiße Flotte“ verpachtet werden. Nach der Wiederververeinigung kündigten Kutzkers diesen „Pachtvertrag“. Seither fahren sie auf den Löcknitzer Gewässern wieder auf eigene Rechnung.

Werft- und Liegestelle am Werlsee

                        Werft- und Liegestellen am Werlsee

Nach Kienbaum zum Liebenberger See fahren sie nicht, weil es nach dort keine schiffbare Wasserstraße gibt. Dafür war Fontane in Kienbaum, „ein interessantes Dorf“, dass einst ein Kongressort war, „wo die märkischen Bienenzüchter zu Beratung ihrer Angelegenheiten zusammenkamen. Was diesem kleinen Dörflein solche Ehre einbrachte, ist nicht mehr mit Bestimmtheit zu sagen. Wahrscheinlich wirkte Verschiednes zusammen, unter anderm auch wohl seine günstige Lage ziemlich inmitten der Provinz. Darüber, was auf diesem Konvent verhandelt wurde, hört man an Ort und Stelle nur wenig noch. Stell ich nachstehend zusammen, was ich mündlich erfahren oder aus Büchern ersehen konnte, so find ich, dass der Charakter dieses Bienenkonvents im Laufe der Jahrhunderte wechselte. Während es sich in alten Zeiten um ausschließlich geschäftliche Regulierungen handelte, war dieser Konvent unter König Friedrich Wilhelm I. eine halbwissenschaftliche Fachmännerversammlung geworden, auf der man sich Produkte zeigte, Resultate mitteilte und über Verbesserungen in der Bienenzucht nach inzwischen gemachten Erfahrungen beriet“.

Um Resultate geht es in Kienbaum noch immer, nur nicht mehr um jene von Bienen, sondern von Sportlern. Sieben Jahre brauchte das wiedervereinigte Deutschland, um 1997 aus der Trainingsstätte des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR das „Bundesleistungszentrum Kienbaum" zu machen. Die Liegenschaft am Liebenberger See war seit 1952 Trainingsstätte für Leistungssport. Zählten anfangs die natürlichen Bedingungen, so wurden in den folgenden Jahrzehnten die Anlagen immer mehr ausgebaut. In Kienbaum wurden die Olympiasieger der DDR gemacht. Museal erhalten wird das Höhenleistungszentrum, in dessen Räumen die Luft so verdünnt werden konnte, dass dadurch die Vermehrung der roten Blutkörperchen angeregt wurde – auch ein Weg zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Sportlern.

Anders kann man es in dieser von der Löcknitz durchschlängelten Gegend auch haben. Das nahezu unberührte Tal, dessen Wiesen seit 50 Jahren nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, ist seit 1984 Naturschutzgebiet und seit 1998 zusätzlich als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet gemeldet. Tiere und Pflanzen, so liest man, fühlen sich wohl.