Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Langerhanskanal (LhK)
km 0,00 Abzweigung aus dem Rüdersdorfer Gewässer (RüG), Strausberger Mühlenfließ, bei km 9,83 bis 1,30 (Kriensee)

Eigentlich müsste man Langerhans-Kanal schreiben, damit deutlich wird, dass der Kanal nach einem geachteten Mann benannt wurde. Unter dem Namen Langerhans haben sich einige Menschen einige Verdienste erworben: Robert war Pathologe, Paul entdeckte im menschlichen Inneren die Langerhansschen Inseln, Georg war jener Bürgermeister, der vom Schuster Wilhelm Voigt, dem „Hauptmann von Köpenick“, festgenommen wurde. Einer von ihnen war Friedrich Wilhelm Langerhans, geboren am 16. Oktober 1780 in Altlandsberg, gestorben am 16. April 1851 in Berlin. Eingegangen ist er in die Geschichte als Architekt und Baubeamter. In jungen Jahren war er bereits Baurat in der Städtischen Bauverwaltung von Berlin. König Friedrich Wilhelm III. ernannte ihn 1805 zum Stadtbaurat. 1823/24 lieferte er den Entwurf für den Turm der Dorfkirche von Alt-Stralau. 1827 wurde der nach seinen Plänen angelegte Jüdische Friedhof an der Schönhauser Allee eingeweiht. Unter seiner Leitung erfolgte die Innenrekonstruktion von Nikolaikirche (1817); Marienkirche (1819), Georgenkirche (1826), Deutsche Kirche am Gendarmenmarkt (1834), Jerusalemer Kirche (1836), Luisenstädtische Kirche (1842). Ihn zu Ehren wurde das oberste Teilstück der Rüdersdorfer Gewässer Langerhans-Kanal genannt.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden 10,48 Kilometer der Rüdersdorfer Gewässer (RüG) Bundeswasserstraße. In der Neufassung des Bundeswasserstraßengesetzes (WaStrG) vom 23.05.2007 wird im „Verzeichnis der dem allgemeinen Verkehr dienenden Binnenwasserstraßen des Bundes“ unter der Lfd. Nr. 48 aufgelistet: „Rüdersdorfer Gewässer (Strausberger Mühlenfließ, Hohler See, Stolpgraben, Kalksee, Flankensee, Dämeritzsee) mit Stichkanal Langerhanskanal (Kriensee)“. Als jeweilige Endpunkte werden angegeben: „Oberhalb der Abzweigung des Langerhanskanals (km 9,83) bzw. Gosener Kanal.“

Strausberger Mühlenfließ
Strausberger Mühlenfließ zum Stienitzsee, rechts zum Langerhanskanal und Kriensee

Der Langerhanskanal ist also ein 1300 Meter langer Stichkanal. Er zweigt bei km 9,83 der Rüdersdorfer Gewässer vom Strausberger Mühlenfließ ab und mündet in den Kriensee. Hinzugefügt sei, dass an diesem Abzweig 1858 der Ausbau des oberen Strausberger Mühlenfließes zum Stienitzsee erfolgte - heute Landeswasserstraße Brandenburg.

Kalksteintagebau in Rüdersdorf
Kalksteintagebau in Rüdersdorf

Die Rüdersdorfer Gewässer - sowie der später gegrabene Langerhanskanal - sind seit dem Mittelalter untrennbar mit den Rüdersdorfer Kalksteinbrüchen verbunden. In dieser Gegend werden seit 700 Jahren Kalksteine im Tagebaubetrieb gebrochen. Transportiert wurden sie über die märkischen Wasserstraßen, verbaut wurden sie in ganz Deutschland, vor allem aber in Berlin, worauf letztlich auch der Spruch „Berlin ist aus dem Kahn gebaut“ zurückzuführen ist. Mit den Kähnen wurden Sand, Kies und Steine aus den Rüdersdorfer Brüchen in die Hauptstadt geschippert. Die Lastkraftwagen des 18. und 19. Jahrhunderts waren Berliner Maßkahn, Breslauer Maßkahn, .2pt">Plauer Maßkahn, Finow-Maßkahn und schließlich Groß-Finow-Maßkahn. Flüsse und Kanäle waren die Landstraßen und Autobahnen dieser Zeit.

Lastkahn in Rüdersdorf
Lastkahn in Rüdersdorf, um 1920

Es begann 1550 mit einer Stauschleuse bei Woltersdorf. 1835 kam der Langerhanskanal hinzu. Schließlich blieb es zwischen 1862 und 1889 auch Theodor Fontane auf seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ nicht verborgen, dass die Mark neben Schlössern und Geschlechtern noch anderes aufzubieten hat: „Ja, ja, wir haben es leicht und bequem: Im Brieselang Eichen, in Glindow Lehm, In Rauen Kohlen, in Linum Torf, Kalkgeschiebe in Rüdersdorf.“

lhk_schachtofenbatterie
Schachtofenbatterie, 2007

Mit dem Bau der Schachtofenbatterie für die Kalkbrennerei unmittelbar am Langerhanskanal bekam der Schiffsverkehr nach 1885 einen weiteren Impuls. Vorausgegangen waren in den Jahren von 1879 bis 1882 der Ausbau .2pt">der Kanäle zwischen den Seen und der Bau einer Kammerschleuse mit 67 Meter Länge in Woltersdorf. Vom Dämeritzsee bei Erkner über Flakenfließ, Flakensee, Kalksee, Kalkfließ, Stolpgraben, Hohler See, Strausberger Mühlenfließ, Langerhanskanal bis zum Kriensee entstanden die Rüdersdorfer Gewässer (RüG).

Nach Recherchen von Hans-Joachim Uhlemann wurden bereits 1847 rund 216.000 Kubikmeter Kalksteine über die Schleuse Woltersdorf transportiert – dafür waren über 15.000 Plauer Maßkähne erforderlich (Länge 65 Meter, Breite 8 Meter, Tiefgang 2 Meter, 745 Tonnen). Da der Transport von Stein und Zement bis in das 20. Jahrhundert hinein über den Wasserweg abgewickelt wurde, nahm die Königliche Regierung in Potsdam in der „Eintheilung und Bezeichnung der Märkischen Wasserstraßen“ des Jahres 1901 die Rüdersdorfer Gewässer (RüG).2pt"> zwar nicht als Hauptwasserstraße, immerhin aber als Nebenwasserstraße auf.

Konkurrenz bekam die Wasserstraße, als 1872 eine 12,5 Kilometer lange Industriebahn zwischen Stienitzsee und Herzfelde gebaut wurde. 1896 folgte eine Bahnlinie von Strausberg über Hennickendorf nach Herzfelde, die sich „Strausberg-Herzfelder Kleinbahn AG“ nannte, und eine Verbindung zur Reichsbahnstrecke herstellte. Der Güterverkehr wurde 1967 eingestellt, nachdem die Werksbahn des VEB Zementwerk Rüdersdorf diese Aufgabe übernommen hatte.

Rüdersdorf, 2007 Rüdersdorf, 2007

Langerhanskanal
Langerhanskanal, 2007

In den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte Rüdersdorf zum größten Baustoffproduzenten in Ostdeutschland. 1963/64 wurde unmittelbar am Langerhanskanal das Zementwerk IV erbaut, ein gewaltiger Kompaktbau in Stahlbeton-Skelettbauweise. Die 5 Drehrohröfen brachten eine Tagesleistung von 1000 Tonnen. Die Rüdersdorfer Gewässer wurden zwischen der Woltersdorfer Schleuse und dem Langerhanskanal für Großplauer-Maßkähne und eine Tauchtiefe von 1,85 Meter ausgebaut. Neben dem unzweckmäßigen Schifffahrtstunnel am km 9,56 wurde ein begradigender Durchstich gegraben. Der Heinitzsee, ein gefluteter Tagebau, „Königssee der Mark Brandenburg“ genannt, wurde 1975/76 gesumpft und für den Kalkabbau genutzt. Die Rüdersdorfer Gewässer mit dem Krienhafen> Rüdersdorf wurden den Hauptwasserstraßen zugeordnet.

Rüdersdorf, Hafen Kriensee
Rüdersdorf, Hafen Kriensee, 2007

Bis 1990 standen Hunderttausenden Tonnen Staubemission fast 3500 Arbeitsplätze gegenüber. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde aus dem VEB Zementwerke Rüdersdorf zuerst die Rüdersdorfer Zement GmbH, dann die Readymix AG und schließlich im März 2005 die Cemex AG mit Hauptsitz in Mexiko. Große Betriebsteile wurden stillgelegt. Die Luft wurde reiner. Viele Arbeitsplätze gingen verloren. Die Zukunft der Region, so sagt man, liegt im Tourismus. Mit dem Museumspark Rüdersdorf wurden erste Weichen gestellt.

Werkbahnbrücke der Rüdersdorfer Zementwerke
Werkbahnbrücke der Rüdersdorfer Zementwerke

Bleiben wir optimistisch: Die ehemalige Werksbahn des VEB Zementwerk Rüdersdorf als Verbindung zur DB-Trasse ist noch heute in Betrieb. Die Eisenbahnbrücke über dem oberen Strausberger Mühlenfließ wird derzeit überholt. Dazu passt, dass seit dem 16. April 2002 mehrmals wöchentlich ein Zementganzzug zwischen dem Zementwerk Rüdersdorf und Regensburg verkehrt. Abfahrt in Rüdersdorf 18.12 Uhr, Ankunft um 10.31 Uhr in Regensburg Hafen, retour ab Regensburg Hafen um 16.30 Uhr, an Rüdersdorf um 8.14 Uhr - so jedenfalls die damalige Meldung.