Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Geschichte

Großer Wannsee GWS

km 0,50 (Abzweigung aus der Untere Havel-Wasserstraße (UHW), Kladower Seestrecke, bei km 11,40) bis 3,50 (Einmündung Griebnitzkanal (GrK), Kleiner Wannsee, Griebnitzkanal (GrK) km 3,90)

„Kilometertheilung der Märkischen Wasserstraßen“
Aus der Veröffentlichung „Kilometertheilung der Märkischen Wasserstraßen“, 1901

Es gibt den Kleinen Wannsee und den Großen Wannsee. Beide liegen im Südwesten Berlins. Der „Kleine“ bildet zusammen mit Pohlesee, Stölpchensee und den zwei Teilen der einst als Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal bezeichneten Wasserstraße den Griebnitzkanal, eine Verbindung zwischen dem Großen Wannsee und dem Teltowkanal. Den inselförmigen Ortsteil Berlin-Wannsee umschließen Havel, Großer Wannsee, Griebnitzkanal, Griebnitzsee und Glienicker Laake.
Der Große Wannsee ist eigentlich weiter nichts als eine Ausbuchtung der Havel. An seiner nordöstlichen Seite liegt die Insel Schwanenwerder. Auf dem See, entlang der Havel und des Griebnitzkanals dominiert die Personenschifffahrt zwischen Potsdam und Berlin. Die Anlegestelle befindet sich am Südende des Sees, unweit der Wannseebrücke und des S-Bahnhofs Wannsee. Von dort startet auch die Fähre nach Kladow zum gegenüberliegenden Havelufer.

Strandbad Wannsee 2007
Strandbad Wannsee 2007, Foto Oliver Flint

Ziemlich unberührt von diesem Treiben und im gehörigen Abstand liegt das Strandbad Wannsee mit seinen lang gestreckten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden. 2007 wurde es einhundert Jahre alt.

Ach wie nett wäre es, wenn die große Froboess noch einmal die kleine Cornelia geben würde. Dann würden wir die Badehose einpacken, das kleine Schwesterlein (oder Brüderlein) nehmen und „nüscht wie raus nach Wannsee“ fahren. Anlässe gäbe es: Der Schlager wurde ein halbes, das Strandbad Wannsee wird ein ganzes Jahrhundert alt.

Blicken wir zurück: Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Baden in Flüssen nur in Flussbadeanstalten gestattet, getrennt in Männlein und Weiblein, hineingesteckt in Holzkästenbassins, aufgeteilt durch hohe Bretterzäune. Am 8. Mai 1907 erlaubte der Staat Preußen endlich das Baden im Großen Wannsee: Das Strandbad war geboren.

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Pfuhlsche Schwimmanstalt in der Spree, um 1850

„Nun haben wir das Heilmittel“, pries Heinrich Zille die Errungenschaft, „Sonne, Luft, Wasser, duftende Wiesen und Wälder geben nach der schweren Arbeitswoche den Menschen körperliche und seelische Kräfte.“ Den Anstoß hatte Landrat Ernst von Stubenrauch gegeben, der kurz nach der Eröffnung seines Jahrhundertbauwerks „Teltowkanal“ beim Kaiser ein offenes Ohr fand. Die Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten, ließ über den damals zuständigen Kreis Teltow erklären, dass „eine 200 Meter lange Uferstrecke am Wannsee als öffentliche Badestelle bezeichnet wird“. Für den Fall jedoch, „dass hieraus schwerwiegende Unzuträglichkeiten entstehen sollten“, wurde jederzeit Widerruf vorbehalten.

Es war auch höchste Zeit. Berlin war in der Bredullje. In Friedrichshain, Neukölln und Kreuzberg hatten neunzig Prozent der Wohnungen kein Bad, dafür Hinterhöfe, „een bisken schmal, aber schön hoch“. Ein „Berliner Freibäder Verein" hatte für „Pflege und Schutz des Freibadewesens" zu sorgen, sprich: für „Ordnung und Moral“. Familien, Männer, Frauen separiert. Aufgeregtheiten gab es dennoch, weil „die Badehose eines 25jährigen Herrn so schlecht saß, daß er auch gar keine zu tragen brauche“, weil „Damen, welche baden wollten“, angestarrt wurden.

Dabei hatte die „Polizeiverordnung betreffend das Freibad am Wannsee“, veröffentlicht im Teltower Kreisblatt vom 29. Juli 1909, unter § 6 exakte Hinweise gegeben: „Die zulässige Badekleidung ist für Personen männlichen Geschlechts mindestens eine die Oberschenkel zur Hälfte bedeckende nicht dreieckige Badehose, für Personen weiblichen Geschlechts ein Badeanzug, der Schultern, Brust, Leib und die Beine etwa bis zum Kniegelenk bedeckt.“ Wer den Vorschriften „zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 9 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bis zu 3 Tagen bestraft“.

1920 wurde Groß-Berlin zuständig. Da Oberbürgermeister Gustav Böß private Pächter als Betreiber für finanziell nicht stark genug hielt, ließ er am 13. Februar 1926 die „Freibad-Wannsee GmbH“ mit dem Stadtverordneten Hermann Clajus als Geschäftsführer gründen. Es ging voran: Musikkapellen spielten auf. Im Restaurant Lido wurde getafelt. Strandfotografen stellten sich ein. Ein Motorboot schipperte als schwimmende Eisdiele am Strand entlang. Im Winter gab’s Windsurfen auf Skiern und Eislauf.

Im Jahr danach kamen schon 900.000 Besucher – trotz immer noch vorhandener Tafeln, „welche auf das Verbot der dreieckigen Badehosen“ hinwiesen. Da die Kapazitäten bald erschöpft schienen, wurde Stadtbaurat Martin Wagner um einen Generalbebauungsplangebeten. Er beauftragte den Architekten Richard Ermisch, mit dessen Namen heute kaum jemand etwas anfangen kann, obwohl alle Welt seine Haupthalle am Messegelände kennt.

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Modell Strandbad Wannsee, Entwurf Richard Ermisch

Aus der allmählich vom Ufer ansteigenden Landschaft sollte ein Baukomplex mit zwei 540 Meter langen Achsen herauswachsen und den 1300 Meter langen Strand zum Grunewaldhügel hin abschließen. Am 19. September 1930 war ein „Weltstadtbad in absoluter Modernität“ entstanden, infolge der Weltwirtschaftskrise allerdings nur als Torso.

Zum bevorstehenden Jubiläum gibt es noch nicht einmal „den“ zu betrachten. Nicht Berlin, sondern die „Stiftung Denkmalschutz Berlin“ ließ dieses Fragment seit 2004 restaurieren – das entscheidende architektonische Zentrum, das Gelenk zwischen den beiden Achsen nicht, so dass die angekündigte Besichtigung des „Baudenkmals in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild“ zur Farce wird. Schon vor Baubeginn ließen Formulierungen vermuten, dass nicht alles reibungslos vonstatten gehen wird: „Die Stiftung ist überzeugt, dass der zur Gesamtanlage gehörende Vorplatz in seinen historischen Zustand versetzt worden ist. Das Bau- und Kulturdenkmal erfordert nicht nur die Revitalisierung der Bausubstanz, sondern einen angemessenen pflegerischen Umgang mit dem ebenfalls geschützten Bestand der Frei- und Waldflächen.“ Denkste!

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Strandbad Wannsee Vorplatz

Die Gegend war Jagdgebiet brandenburgischer Kurfürsten, preußischer Könige und deutscher Kaiser. Erst 1915 gelang es dem kommunalen Zweckverband mit dem „Dauerwaldvertrag“, Teile des Grunewaldes vom Staat zu kaufen. So kam es, dass der Grunewald von den „Berliner Forsten“ verwaltet wird, die heute der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstellt sind, das Strandbad von den „Berliner Bäder Betrieben“ betrieben wird, zuständig „Bildung, Jugend und Sport“. Bisher ist es nicht gelungen, zwischen den Einrichtungen ein „ausreichendes Vertragsverhältnis“ herzustellen.

In einer „Anstalt des öffentlichen Rechts“ wurden die bis 1996 von den Bezirksämtern in Eigenregie geführten 37 Hallen- und 27 Sommerbäder zusammengeführt. Der Obolus von jährlich etwa 7,5 Millionen Badegästen mildert den Finanzbedarf, mehr aber auch nicht. Der Landeszuschuss sank innerhalb von zehn Jahren von 79 auf 39,5 Millionen Euro. Elf Bäder wurden bereits geschlossen, der große Rest ist ziemlich bedürftig. Wannsee voran.

Das Strandbad liegt am Ostufer des Großen Wannsee, kein eigenständiges Gewässer, nur eine Bucht der Havel. Drumherum ist der Grunewald. Wer raus will, nimmt AVUS oder S-Bahn bis Nikolasee. Die Misere beginnt nach dem Entree. Dort hatte der Architekt Richard Ermisch parkähnliche Anlagen mit Wegen zu den fünf breiten Abgangstreppen geschaffen, über die die Massen gleichmäßig an Umkleidegebäude und Strand verteilt wurden. Dieses Areal befindet sich heute in einem schlimmen Zustand. Die Forderung der „Stiftung Denkmalschutz“, das Land Berlin solle sich verpflichten, das Strandbad nach erfolgter Restaurierung nicht an einen Investor zu verkaufen und künftig in einem für das Baudenkmal angemessenen Zustand zu erhalten, sind daher mehr denn je berechtigt.

Auf dem fünfzig Meter breiten Sand, definitiv märkischer und keiner von der Ostsee, wie so oft (ab)geschrieben wird, können sich am Tag bequem 10.000, 30.000 und mehr Badegäste tummeln. Nach Norden schauen sie auf die Halbinsel Schwanenwerder, auf der sich ein Aspen-Institut um Verständnis für amerikanische Sichtweisen bemüht, gegenüber liegt der vom Kleinen Wannsee, Pohlesee, Stölpchensee, Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal, Griebnitzsee, Glienicker Laake und Havel umschlossene Stadtteil Wannsee mit dem „Haus der Wannsee-Konferenz“, in dem die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen wurde. Mit beiden Themen geht man hier allerdings Baden.

Die Stiftung Denkmalschutz kümmerte sich um die vier Umkleidehäuser mit den Sonnenterrassen, das vorgelagerte offene Promenadendeck, den darunter liegenden Wandelgang und die Treppenbauwerke. Die Kosten dafür werden mit 12 Millionen Euro angegeben. Sie macht sich (leider) nicht an den eigentlichen Höhepunkt der Anlage, weil „es nicht Aufgabe der Stiftung sein darf, Instandsetzung und Modernisierung des bauaufsichtlich gesperrten Strandrestaurants als eines Wirtschaftsbetriebes zu übernehmen“. So hatte man sich darauf verständigt, dass die Bäderbetriebe für eine Sanierung sorgen. Denkste, weil gerade dort nichts geschieht.

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Nicht saniert, Umgang am Strandrestaurant,2007

Das aber ist das Kernstück des grandiosen Entwurfs von Ermisch. Im „Deutschen Kunstverlag“ erschien 1931 eine Beschreibung: Über die existierenden vier Hallen hinaus sollten nach Süden hin „fünf weitere Hallen und ein Sporthafen errichtet werden – bei Vollendung wäre das Strandbad auf die dreifache Länge des derzeitigen Zustandes erweitert worden“. Der Gefahr einer monotonen Länge begegnet der Architekt mit einer vertikalen Gliederung durch die Treppen, vor allem aber mit der (geplanten und unvollendeten) Achse Entree-Vorplatz-Gaststätte-Strandhof-Seebrücke. Gebaut wurde lediglich ein Gartenrestaurant als „erster Bauteil einer großen, terrassenförmig den Hang hinaufsteigenden Bauanlage“.

Kurzum: Das Strandbad Wannsee ist ein Baudenkmal von nationalem Rang. Es steht in Berlin, eine Berliner Angelegenheit ist es nicht. Zu beklagen ist die Engstirnigkeit der Stiftung, weil mit etwas mehr Geld auch dieses architektonische Kleinod gerettet wäre, zu bedauern ist, dass die Bäderbetriebe in der Ausschreibung von den Gastronomen verlangen, den Bau erst einmal wiederherzustellen. Fest steht, dass es die Krönung zur Jahrhundertfeier nicht geben wird. Jäh enden Promenadendeck und Wandelgang. Verrostete Stahlskelette ragen aus dem Sand, alles ein bisschen wie Berlin nach den Bomben, nur fielen die im Strandbad Wannsee nicht.

Badengehen konnten die Berliner da draußen dennoch immer. Mit der Reichsverordnung vom 10. Juli 1942 wurde das bis dahin strafbare Nacktbaden „abseits von Unbeteiligten“ gestattet. Mit der Zeit entstanden zwei Abteilungen: Textilstrand und Nacktstrand, bis heute getrennt durch eine schämige Sichtblende. Im Sommer ist Wannsee „der“ Treffpunkt überhaupt.

Zwei Gruppen sind leicht zu unterschieden: Die einen liegen im Strandkorb, die anderen auf Handtüchern. Die im Korb kommen aus Zehlendorf, neuerdings auch aus Kleinmachnow. Sie haben meist ganzjährig gemietet. Die Handtuchfraktion belegt zwei Drittel - darunter Familien mit Kindern. Für Mütter und Väter ist der Ort ideal, weil die Kleinen einfach nicht ertrinken können. Vor den ersten Schwimmzügen muss man erst einmal durch dreißig Meter Wasser waten.

Der textile Strandabschnitt ist multikulturell geprägt. Hier lagern berliner Berliner und berliner Türken, vorausgesetzt, dass sich nicht alle berliner Türken und sonstige Voyeure gleichzeitig in jenes Areal hinter den Sichtschutz begeben, um nackte Berlinerinnen und schwule Berliner betrachten zu können. Letztere hatten ihr Domizil früher auf der Dachterrasse. Da diese wegen Einsturzgefahr geschlossen wurde, zogen sie sich an das nördliche Ende an die so genannte „Gay Beach“ zurück. Geschadet hat das bisher nicht. Weder den einen noch den anderen. Besucher kreuzen immer noch auf, so dass dieser Landstrich in der Szene als angesagte Cruisingarea für „Blümchensexfans“ gilt. Anzutreffen ist jedes Alter und jeder Typ, ob Spargeltarzan, Sumo-Ringer, Aalglatter oder Teddy. Günstig ist es obendrein, weil sich durch die schattenlose Ecke diverse Ausgaben für die Sonnenbank erübrigen.

In den einschlägigen Magazinen von Berlin bis New York wird daher mit Anerkennung vermerkt, dass „die schwule Strandkultur aus Deutschland nicht mehr wegzudenken ist“. Dazu gehört auch der „Euro Gay Cup“ des Berliner „Sportverein Vorspiel“, der auf der vorgelagerten Regattastrecke das erste lesbisch-schwule Segel-Rennen Deutschlands austragen ließ. Organisatorisch war das nicht einfach, wegen der immer noch geforderten Ordnung und Moral, da sich Teilnehmer und Badegäste aus Netherlands, United States, United Kingdom, Belgium und France in Badekleider werfen mussten, wenn sie ne Weiße mit Schuss oder ne Bulette haben wollten.

„Ick jeh aba doch hin, aus Daffke“, wird der Berliner sagen. Das Hin und Her auf den Promenaden macht es. Pack die Badehose ein.

Text unter Verwendung eines Beitrages der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 21. Juni 2007, mit freundlicher Genehmigung des Autors Peter Hahn.

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Strandbad Wannsee, 2007